Schwellenwerte: EU-weite vs. nationale Vergabeverfahren
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Der EU-Schwellenwert ist die wichtigste Zahl im Vergaberecht: Er entscheidet, ob ein Auftrag europaweit oder national ausgeschrieben wird – und damit, welche Regeln, Fristen und Rechtsschutzmöglichkeiten gelten. Wer den Auftragswert richtig einordnet, versteht das Verfahren.
Was ein Schwellenwert ist
Schwellenwerte sind von der EU-Kommission festgelegte Auftragswerte (netto), die alle zwei Jahre angepasst werden. Übersteigt der geschätzte Wert eines Auftrags den einschlägigen Schwellenwert, muss europaweit über TED ausgeschrieben werden. Darunter genügt ein nationales oder regionales Verfahren.
Die Höhe unterscheidet sich nach Auftragsart: Bauaufträge haben einen deutlich höheren Schwellenwert als Liefer- und Dienstleistungsaufträge; für bestimmte Sektorenauftraggeber und soziale Dienstleistungen gelten eigene Werte. Die jeweils gültigen Beträge werden regelmäßig neu bekanntgemacht.
Wie der Auftragswert geschätzt wird
Maßgeblich ist der geschätzte Gesamtwert ohne Umsatzsteuer über die gesamte Laufzeit – bei Rahmenverträgen inklusive aller Optionen und Verlängerungen. Ein Auftrag darf nicht künstlich in kleinere Teile zerlegt werden, nur um unter dem Schwellenwert zu bleiben (Umgehungsverbot).
Bei einer Vergabe in Losen zählt grundsätzlich der Gesamtwert aller Lose für die Schwellenwert-Prüfung – auch wenn das einzelne Los kleiner ist.
Was die Grenze praktisch bedeutet
Oberschwellig: EU-weite Bekanntmachung auf TED, längere Mindestfristen, strengeres Verfahren nach GWB/VgV bzw. VOB/A-EU, Rechtsschutz über die Vergabekammern.
Unterschwellig: nationale/regionale Bekanntmachung, kürzere Fristen, schlankere Verfahren nach UVgO bzw. VOB/A. Gerade in diesem Bereich liegen viele Aufträge, die für kleine und mittlere Betriebe gut erreichbar sind.
Häufige Fragen
Wo finde ich die aktuell gültigen Schwellenwerte?
Die Schwellenwerte werden alle zwei Jahre von der EU-Kommission angepasst und amtlich bekanntgemacht. Da sich die Beträge ändern, prüfen Sie stets die für das laufende Jahr veröffentlichten Werte, getrennt nach Bau-, Liefer- und Dienstleistungsaufträgen.
Zählt bei mehreren Losen jedes Los einzeln?
Für die Schwellenwert-Prüfung zählt grundsätzlich der Gesamtwert aller Lose. Den Zuschlag können Sie trotzdem auf einzelne Lose beschränken – das Umgehungsverbot betrifft nur die künstliche Aufteilung zur Unterschreitung der Schwelle.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Zuletzt aktualisiert am 9.7.2026.